Mit etwas Verspätung befindet sich nun der Test des KOffice Bildbearbeitungsprogrammes Krita an seinem Platz.
(schnebeck)
ebv4linux präsentiert heute die aktuelle Version des Bildbearbeitungsprogramms Krita.
Über Krita
Krita 1.5 wurde am 11 April 2006 veröffentlicht und ist Teil des KDE-Office-Pakets KOffice. Auch wenn die Versionsnummer 1.5 für Linuxverhältnisse ein etabliertes Programm kennzeichnen müsste, sind bei Krita die Verhältnisse anders. Das Programm kann zwar eine lange Geschichte sogar mit verschiedenen Programmbezeichnungen zurückgreifen, aber nach dem so genannten Technology-Preview 1.4 ist 1.5 die erste stabile öffentliche Version.
Natürlich muss sich Krita mit den Programmen messen lassen, die bisher den Bereich Pixelbildbearbeitung beherrschen. Dieses sind bekanntermaßen in erster Linie GIMP und Cinepaint, ein Clone von GIMP-1 spezialisiert auf die Bearbeitung von HDR-Bildern.
Vorweg sei gesagt, dass ein Vergleich schwierig ist, da Krita zum Teil noch nicht in der Tiefe mit den Funktionen der anderen Programme mithalten kann, zum anderen es aber auch an vielen Punkten neue Wege geht. Zudem ist Krita auch Teil eines Office Pakets und das ist in der KDE Welt bekanntermaßen mehr als nur eine lose Programmsammlung. So kann auch Krita andere Office-Komponenten einbinden.
Das erste Mal
Starten wir Krita da erste mal, sehen wir den Auswahldialog zum Erzeugen einer neuen Datei oder zum Laden einer Bilddatei.
Man kann über die Gestaltung dieses Dialogs, der in einer Ecke fast versteckt auch das Laden von Bilddaten erlaubt, sicherlich geteilter Meinung sein, allerdings sieht man hier auch gleich eine der Besonderheiten von Krita. Seine sogenannte Painting-Engine arbeitet quasi unabhängig von der Struktur der Bilddaten.
So kann Krita nicht nur den üblichen RGB-8 Farbraum laden, sondern kann auch im RGB-16, RGB-Fließkomma, im Druckerfarbraum CYMK oder sogar im LAB Farbraum direkt arbeiten. Daneben gibt es sogar spezielle Farbräume für die künstleriche Bildbearbeitung wie z.B. zur Simulation von Wasserfarben.
RAW Konverter
Importiert man ein Bild in Krita, können neben den üblichen Formaten auch RAW-Daten von Digitalkameras verwendet werden, so das Konverterprogramm dcraw im Suchpfad installiert wurde.
Allerdings ist die Einstellung der Parameter weit weniger komfortabel als z.B. bei UFRaw, insbesondere fehlt die Einstellung der Qualität (draw -q), wodurch allerdings standardmäßig die höchste Konvertierungsqualität verwendet wird. Dennoch haben auch die anderen Qualitätsstufen in bestimmten Bildsituationen ihre Daseinsberechtigung.
Für die Zukunft sollte die Oberfläche des RAW-Konverters stärker an UFRaw angelegt werden. Ein Klick auf »OK« erlaubt es, das Rohdatenbild in voller Dynamik in Krita zu übernehmen.
Einstellungen
Bevor wir auf die Benutzeroberfläche eingehen zunächst noch ein Blick in die Programmoptionen. Hier fallen insbesondere zwei Optionen ins Auge: Einstellungen zur OpenGL beschleunigte Anzeige und zum Farbmanagement.
Beim Farbmanagement lassen sich ein Arbeitsfarbraum Arbeitsfarbraum , Monitorfarbmodell und ein Druckerprofil anlegen. Bleibt die Frage, wo man unter Linux die entsprechenden Farbprofile herbekommt. Das Einmessen von Monitoren ist z.Z. unter Linux nicht möglich und das Verwenden von Standard-Monitorprofilen hat oft nur wenig mit der Farbwirklichkeit zu tun.
War es allerdings vorher beinahe ein Henne-Ei-Problem, macht die zunehmende Verbreitung von Farbmanagement unter Linux Hoffnung, in Bälde auch hier Hardwareunterstützung zu haben, die es Dank Hollywood auch in den Schubladen der Kalibrierhersteller gibt, aber nicht am Markt verkauft werden.
Die Optionen zeigen weiter, dass Krita auch schon jetzt ein Grafiktablett unterstützt. Vor der Verwendung muss es unter diesem Menüpunkt aber aktiviert werden. Zudem muss das von Krita verwendet GUI-System Qt mit Tablett-Unterstützung kompiliert worden sein.
GUI
Ebenso wie heute bei GIMP lässt sich die GUI von Krita dem persönlichen Geschmack anpassen. Normalerweise ist die Werkzeugliste links, Bildbefehle oben, eine Statusleiste unten und eine Palettenfenstersammlung rechts, die das eigentliche Bild umrahmen. Generell verwaltet eine Instanz von Krita auch immer ein Bild. Lädt man ein Bild und verwendet den Dialog “Datei->Bild öffnen”, geht das bestehende Bild ohne Nachfrage verloren.
Jede Werkzeugbox lässt sich auch abreißen und als Einzelfenster verwenden – nützlich z.B. beim Mehrmonitorbetrieb. Anders als bei GIMP lassen sich diese Einzelfenster nicht zusammendocken, was somit die Angelegenheit leider etwas unübersichtlich macht.
Vielleicht kann hier später Qt4 Abhilfe schaffen. Angenehm ist der Bildzoom mit dem Mausrad, der allerdings leider nur bildzentrisch funktioniert. Besser wäre es die Position des Mauszeigers als Zentrum zu verwenden. Dank OpenGL ist der Zoom sehr schnell
Retusche
In der digitalen Bildbearbeitung benötigt der Fotoamateur Befehle zur digitalen Retusche, Ebenen, Selektions- und Alphamasken, Filter und Skripte. In all diesen Punkten liefert GIMP hohe Qualität und Krita kann hier noch lange nicht mithalten. Allerdings sind viele Ansätze und auch neue Ideen vorhanden.
Die Selektionsmaske erfolgt mit den Werkzeugen im unteren Drittel der Werkzeugliste.
Der geschützte Bereich ist bläulich coloriert und von einer roten Linie begrenzt. Die rote Linie macht bei großen Zoomstufen Probleme, da sie beim Hochskalieren z.T. verschwindet.
Das Arbeiten mit den Werkzeugen ist dann wie gewohnt, allerdings gibt es insbesondere im 16Bit-Modus immer wieder den Effekt, dass Pinselstriche mit Verspätung nachgezeichnet werden. Ein großes Manko ist aber, dass Selektionsmasken nicht gesichert werden können. Das Auswahlmenu bietet hierfür keine Optionen. Das Prinzip der Farbkanäle wie bei GIMP dürfte durch die flexiblere Struktur von Krita so nicht möglich sein, allerdings sollten Ebenen vom Typ Selektion möglich sein. Auch das Speichern einer Auswahl in einer Alphamaske sollte zu realisieren sein. So ist die mangels “Zauberstab” oder intelligentem Pfadwerkzeug manchmal mühsame Erstellung einer Auswahl nicht dauerhaft zu speichern.
Neben dem Stempel, der allerdings in der aktuellen Version nicht zu funktionieren scheint und nur mit Hintergrundfarbe zeichnet, gibt es einen Filter-Pinsel.
Hiermit kann man z.B. mit dem Pinselstrich einen Weichzeichner selektiv ausführen. Dieses Werkzeug macht in Verbindung mit Genauigkeit eines Grafiktabletts so manche Selektion überflüssig.
Die Abbildung oben zeigt auch, dass bei Verwendung eines Grafiktabletts ein interaktives Menü erscheint, das bestimmt, wie die druckempfindliche Stiftspitze wirken soll: Größe, Deckkraft oder Abdunkeln des aktuellem Werkzeuges stehen hier zur Auswahl. Ein Manko haben die Farbpaletten. Sie erlauben eine Farbauswahl nur aus dem 8-Bit-Bereich, wie ein Verschieben der Slider zeigt – unabhängig vom gewählten Farbsystem.

Filter
Die Filterfunkionen von Krita sind nicht so umfangreich wie bei GIMP, allerdings sind viele Standardoperationen wie Schärfen, Weichzeichnen, Kantenfinden usw. implementiert. Mängel gibt es in der Dynamikbearbeitung. Es fehlt insbesondere die Tonwertkorrektur, gerade um ein 12-Bit RAW-Bild im 16 Bit-Farbraum sinnvoll einzubetten. Die Begrifflichkeiten sind hier auch oftmals falsch verwendet, wie das Beispiel “Helligkeit und Kontrast” zeigt, ein Filter mit dem man eigentlich die Gradation einstellt und Regler für Helligkeit und Kontrast nicht bietet.
Hier muss so schnell wie möglich nachgebessert werden: Tonwertkorrektur, Gamma/Gradation, Weißabgleich, Helligkeit/Kontrast, Sättigung sind ein Muss für die digitale Fotobearbeitung, da helfen die Autofunktionen nur wenig.
Nett gemacht ist eine Filtergalerie, die die Wirkung aller Filter am verkleinerten Original zeigt und auch die Parameterverstellung am Filter erlaubt. Zu Ende gedacht würde eine solche Funktion sinnvoller sein, wenn nur ähnliche Filter verglichen würden, diese aber mit variablen Parametern angezeigt würden.
Einige Bildfunktionen sind mit Vorsicht zu genießen, da sie das System so belasten, dass die die genaue Funktion mit großen Bildern nicht getestet werden konnte, zum Beispiel die Zerlegung der Farbkanäle ähnlich dem Kanalmixer von GIMP.
Ebenen
Die Ebenenfunktionen von Krita sind wie bei Photoshop hierarchisch und besitzen einen speziellen Ebenentyp.
So kann eine neue Ebene eine andere Office-Komponente sein, um so z.B. Texte oder Vektorgrafiken einzubetten. Ob es so herum Sinn macht oder man besser eine fertige Bitmap in eine Textverarbeitung oder einem Zeichenprogramm einbettet, liegt im Auge des Betrachters. Allerdings haben Office-Ebenen in soweit eine Beschränkung, dass sie nicht mit den Werkzeugen von Krita weiterbearbeitet werden können.
Ein andere Typ sind die Anpassungsebenen, die eine Bildfilterung ermöglichen. Der Dialog entspricht dem der Filtergalerie

Ebenen können über die Funktion “Ebene->Bild glätten” zusammengefügt werden. Sie besitzen keinen bildpunkt-editierbaren Alphamodus sondern nur eine konstante Deckkraft. Eine weitere zentrale Schwäche für die digitale Fotobearbeitung!
Skripte
Krita ist in zweierlei Hinsicht skriptbar, zum einen das laufende Programm über die InProzess-Schnittstelle dcop, die Zugriff auf viele Befehle und Parameter erlaubt und über die KOffice-Skriptumgebung Kross, die Skripting über Python und Ruby ermöglicht. Im Vergleich zu Skript-FU sind Krita-Skripte deutlich lesbarer, erlauben aber z.Z. noch keine visuelle Benutzerkonfiguration. Die Installation erfolgt hierbei über die GetHotNewStuff-Funktion von KDE mit einem Klick.
Fazit
Krita kann sich noch nicht mit den etablierten Grafikprogrammen messen zeigt aber vielversprechende Ansätze. Die Verwendung wird durch zwei Mängel z.Z. verhindert: Fehlende Dynamik- und Farbfilter sowie die fehlende Möglichkeit Masken oder Selektionen zu speichern.
An manchen Punkten hakt das Programm und verhindert flüssiges Arbeiten trotz eines schnellen Testrechners mit mit viel Speicher.
Als junges Programm hat Krita keine große User-Community, und ist deshalb an einigen Stellen nicht rund und besitzt z.T. falsche oftmals recht putzige deutsche Befehlsbeschreibungen.
Durch die Mithilfe von interessierten Usern am Projekt lassen sich bestimmt viele Fehler oder Fehlendes bis zum nächsten Release beheben. Auch bestimmen letztendlich die User mit in welche Richtung sich das Programm weiterentwickeln wird. Z.Z. sind die künstlerischen Funktionen kompletter als die für eine Fotoretusche auf Grund der Vorlieben der Entwickler
Auf einer Notenskala von 1-10 gebe ich Krita z.Z. eine 5, was zwar Mittelmaß bedeutet, aber auch Platz lässt um in kurzer Zeit bessere Noten zu bekommen.
(Zum Vergleich, GIMP würde von mir eine 8, Cinepaint eine 7 bekommen)
Thorsten Schnebeck für ebv4linux
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