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GIMP - Schritt für Schritt
Sanftes Schärfen – LAB-Schärfen verfeinert
von Markus Volkmer
Diese Anleitung basiert auf einem englischsprachigen Tutorial für GIMP 1.x.
Nach dem Übersetzen des Originals wurde diese Anleitung überarbeitet und an die deutsche Version 2.x von GIMP angepasst. Sollte eine ältere Version verwendet werden, so kann es unter Umständen passieren, dass einzelne Menüpunkte anders benannt sind.
In der bereits bei ebv4linux erschienen Anleitung "LAB-Schärfen" wird nur der Helligkeitskanal eines Bildes nachgeschärft.
Diese hier vorliegende Anleitung verwendet ähnliche Methoden, beschreitet aber einen etwas weiteren Weg, was in bestimmten Fällen ein ausgeglicheneres Ergebnis erzielen kann.
Um dies zu erreichen, werden hier einige grundlegende Techniken angewandt:
- es wird in Ebenen gearbeitet, dadurch bleibt das Original unverändert
- nur die Helligkeitswerte werden geschärft
- nur die Kanten der Objekte werden geschärft. Dies verhindert Rauschen in unscharfen (und gleichmäßigen) Bildbereichen.
- das Schärfen findet am Ende der Bearbeitung statt (generell wichtig!)
- eine weitere Nachbesserung wird vorgeschlagen
Meiner Ansicht nach ist diese Methode hierdurch leistungsfähiger, als das "einfache" LAB-Schärfen. Durch den höheren Arbeitsaufwand sollte eine Anwendung jedoch immer von Fall zu Fall entschieden werden.
Bild 1 (links): vorher - Bild 2 (rechts): nachher
1.
Wir haben GIMP bereits gestartet und das zu bearbeitende Bild geladen
Erkennbar ist hier eine deutliche Unschärfe, die in dieser Form auch in Ausbelichtungen sichtbar wäre.
Als Erstes machen wir jetzt eine Kopie vom Original (Strg+D), wir werden dies für einen späteren Arbeitsschritt benötigen und können das neue Fenster erst einmal verkleinern.
Bemerkung: Alle anderen Bearbeitungsschritte, die wir am Bild vornehmen möchten, müssen vor diesem Schärfe-Vorgang abgeschlossen sein, besonders Skalierungen. Das Nachschärfen ist immer der letzte Bearbeitungsschritt.
Tip: Sollte der Dialog für die Ebenen nicht standardmäßig geöffnet sein, so machen wir dies am Besten jetzt, da wir diesen mehrfach brauchen werden.
Dialoge -> Dock hinzufügen -> Ebenen, Kanäle, Pfade
Dadurch müssen wir uns diese Dialoganzeige später nur immer in den Vordergrund holen, wenn wir sie benötigen.
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2.
Mit einem Rechtsklick auf das Original-Bild öffnen wir das Menü "Filter -> Farben" und wählen dort den Menüpunkt "Zerlegen" aus.
In der sich nun öffnenden Dialogbox wird HSV als Option gewählt und ein Häkchen bei "Als Ebenen" gesetzt. Den Vorgang bestätigen wir nun noch mit OK und sehen anschließend, wie sich ein neues Fenster mit unserem Bild öffnet, allerdings zerlegt in seine Farb-, Sättigungs- und Helligkeitswerte in jeweils einer eigenen Ebene. Dadurch wird uns die Möglichkeit gegeben, den Helligkeitskanal (Werte) gesondert von den anderen Kanälen zu bearbeiten.
Anmerkung: Ältere Versionen des Zerlegungs Plugins haben möglicherweise die Option "Als Ebenen" nicht; hier wird dann für jeden Kanal ein eigenes Fenster geöffnet, was für die weitere Bearbeitung allerdings keinen Unterschied macht. Wir können einfach die Fenster für Sättigung und Farbwerte schließen.
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3.
In diesem Schritt werden wir die Helligkeitswerte als eigene Ebene über das Orginalbild legen.
Im Fenster der "Werte"-Ebene wählen wir alles aus (Strg+A) und kopieren den Inhalt (Strg+C).
Nun gehen wir wieder zurück zum Originalbild und fügen dort diese Daten ein (Strg+V). In der Ebenen-Auswahl erstellen wir nun aus dieser schwebenden Auswahl ( ) eine neue Ebene, indem wir einfach auf das Symbol für "Neue Ebene" klicken ( ).
Schließlich wählen wir noch 'Werte' als Modus aus. ("Modus" Auswahlbox im Ebenen-Dialog). Dadurch werden nur die Helligkeitswerde der neuen Ebene auf die Hintergrundebene angewandt, ohne die anderen Werte zu beeinflussen. Unser Bild im Fenster sollte nun wieder dem Original entsprechen, allerdings sollte unser Ebenen-Dialog jetzt dem Beispiel rechts entsprechen.
Zur besseren Kenntlichmachung wurde die Ebene noch umbenannt, dies erreichen wir durch Aufrufen der Ebeneneigenschaften mit einem Doppelklick auf die kleine Vorschaugrafik der Ebene. (oder einfach einen Doppelklick auf den Ebenennamen ausführen und dort ändern)
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4.
In den folgenden Schritten finden wir die Kanten im Bild und erstellen daraus eine Ebenenmaske.
Wir holen uns das kopierte Bild aus dem ersten Schritt zurück in den Vordergrund und rufen über das Menü "Filter" -> "Kanten finden" den Filter "Kanten" auf.
In der Dialogbox des Filters wählen wir "Sobel" (funktionierte bei mir am Besten) und einen zu den Kanten in unserem Bild passenden Wert.
Mit diesen Einstellungen muss evtl. ein wenig experimentiert werden. Sollte uns das Ergebnis nicht gefallen, können wir den Vorgang mit rückgängig machen (Strg+Z) und den Filterdialog nochmals aufrufen (Shift+Strg+F).
Im Beispiel wurde 5 als Parameter-Wert verwendet.
Wenn wir mit den gefundenen Kanten zufrieden sind, wandeln wir das Kanten-Bild in Graustufen um. (Menü: "Bild" -> "Modus" -> "Graustufen")
Anmerkung: Vielfach wird das Bild erst in Graustufen umgewandelt, bevor der Kanten-Filter zur Anwedung kommt. Dies soll möglicherweise ein kennzeichnen von Hintergrundrauschen als Kante verhindern. Dabei werden allerdings auch Übergänge zwischen hellen Farbtönen vernachlässigt, da diese im Graustufenbild nicht mehr ausreichend vorhanden sind.
Deswegen wird in dieser Anleitung das Umwandeln in Graustufen erst nach dem Kanten finden durchgeführt. Das Darstellen von Hintergrundrauschen als Kante kann durch einen höheren Parameter-Wert verhindert werden.
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5.
Jetzt passen wir den Kontrast der Kanten an, so dass möglichst nur noch die tatsächlichen Kanten weiß sind und alles andere schwarz bleibt. Diese weißen Flächen werden nachher die Bereiche sein, die geschärft werden.
Wir öffnen hierfür den Dialog für die Farbwertanpassung (Menü "Ebenen" -> "Farben" -> "Werte") und verschieben den Weiß- und Schwarzpunkt so, dass anschließend keine unbedeutenden Kanten mehr vorhanden sind.
Hier müssen wir wahrscheinlich wieder ein wenig experimentieren, um die optimalen Einstellungen zu finden. In unserem Bildfenster können wir die Vorschau unserer Änderungen an der Kurve verfolgen. Wenn die Kanten weiß gefärbt sind und alles andere schwarz ist, bestätigen wir die Änderungen mit OK.
Wie stark die Änderungen sein sollten, die wir hier vornehmen müssen, hängt von unserem Bild ab. Im Beispielbild gibt es hauptsächlich im unteren Bereich durch die Gräser einige Kanten.
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6.
Wir lassen jetzt noch einen Filter zum Weichzeichnen über unser Kanten-Bild laufen. Geeignet dafür ist der Gaußsche Weichzeichner (Menü: "Filter" -> "Weichzeichnen" -> "Gaußscher Weichzeichner (IIR)"), um die Kanten ein wenig zu glätten.
Ein Radius zwischen 3 und 10 sollte ausreichend sein. Im Beispiel wurde 5 verwendet.
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7.
An dieser Stelle sollten wir noch einmal die Werte anpassen (sh. Schritt 5).
In diesem Beispiel wurde der weiße Punkt noch ein wenig verschoben, um bessere Kontraste zu erhalten.
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8.
In diesem Schritt fügen wir endlich das Kantenbild als Ebenenmaske in unsere Werte-Ebene ein.
Wir markieren wieder das gesamte Bild (Strg+A) und kopieren dieses dann (Strg+C).
Jetzt gehen wir zu unserem Bild-Fenster mit den zwei Ebenen zurück, und fügen der "Schärfen"-Ebene eine Ebenenmaske hinzu. Dies geschieht durch einen Rechtsklick auf die Ebene in der Dialogbox und in dem Menü wählen wir dann "Ebenenmaske hinzufügen" ( ) aus. In den Masken Optionen wählen wir "Weiß (volle Deckkraft)" aus und klicken zur Bestätigung auf OK.
Nach einem Klick auf das Bildfenster können wir das vorher kopierte Bildmaterial nun einfügen (Strg+V) und die dadurch entstehende schwebende Auswahl ( ) mit der "Schärfen"-Ebene verknüpfen ( ).
Momentan beeinflussen nur die weißen Kanten das Original-Bild (haben es aber nicht verändert - wegen der Ebene).
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9.
WICHTIG: In der Ebenen-Auswahl muss das Werte-Bild in der 'Schärfen'-Ebene - NICHT die Ebenen-Maske angewählt werden (sonst schärfen wir zwar die Maske, aber nicht das Bild). Wir sollten einen kleinen, weißen Rahmen um die Vorschaugrafik sehen, der anzeigt, dass sie ausgewählt wurde.
Jetzt kommen wir also endlich zum eigentlichen Schärfen.
Dazu benutzen wir hier den Filter "Unscharf maskieren" (Menü "Filter" -> "Verbessern" -> "Unscharf maskieren"). Hier sollte wieder ein wenig mit den Werten experimentiert werden; dabei werden wir feststellen, dass wir wahrscheinlich viel höhere Werte verwenden können beim Schärfen als sonst üblich, ohne die Bildqualität negativ zu beeinflussen.
Im Beispielbild wurden folgende Werte angewandt: Radius=1, Menge=2.0 (200%), Schwellwert=0.
Zur bessere Ergebnis-Kontrolle können wir noch ins Bild hinein zoomen (auf 100%).
Wenn uns das Ergebnis noch nicht zufrieden stellt, einfach den Schärfe-Schritt rückgängig machen (Strg+Z) und nochmals mit anderen Einstellungen unscharf maskieren (Shift+Strg+F)
Um besser mit dem Ausgangsmaterial vergleichen zu können, haben wir mehrere Möglichkeiten. Entweder öffnen wir das Original nochmals in einem neuen Fenster oder wir schalten einfach die Sichtbarkeit der "Schärfen"-Ebene aus.
Wenn wir mit dem Ergebnis zufrieden sind, können alle zusätzlich geöffneten Fenster geschlossen werden.
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Es folgen nun noch einmal drei 100% Bildausschnitte, die die Wirkung unserer Methode verdeutlichen sollen.
Wie deutlich zu erkennen ist, weist das sanft geschärfte Bild kaum Schärfe-Artefakte auf im Vergleich zum Original. Die 'normal' unscharf maskierte Version hingegen zeigt schon bei halber Schärfen-Menge viel mehr sichtbare Artefakte - hier vor allem im Gesichtsbereich.
weitere Tips
- Um das Schärfen noch weiter zu verfeinern, überschärfen wir das Bild vorsichtig und verändern anschließend die Deckkraft der 'Schärfen'-Ebene, bis die für unseren Geschmack richtige Schärfe erreicht ist.
- Wenn wir zu Schritt 9 kommmen, öffnen wir eine neue Ansicht (Ansicht/Neue Ansicht) für das Bild. Ein Bild belassen wir im 'normalen' Zoomzustand und zommen das andere auf 100%. Dadurch muss nicht ständig in einem Bild hin und her gezoomt werden, wenn wir mit den Schärfe-Einstellungen experimentieren.
Geht das auch automatisch?
Ja, natürlich lässt sich das auch automatisieren. An so etwas denken wir bei ebv4linux natürlich auch und bieten ein eigenes GIMP-Script dazu an.
Der Download kann hier gefunden werden.
Andere Beispiele
Beim nachfolgenden Beispiel wurde künstlich das Rauschen im Bild verstärkt, um zu verdeutlichen wie sanft die besprochene Methode wirkt.
Es ist deutlich erkennbar, dass durch das sanfte Nachschärfen das vorhandene Bildrauschen kaum beeinflusst wird, anders als der Standard-Filter zum "Unscharf maskieren".
Weitere Informationen, um das Hintergrundrauschen zu reduzieren gibt es in einem weiteren Tutorial.
Weiterer Lesestoff zu diesem Thema
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Publiziert am: 2004-11-03 (11081 mal gelesen) Diesen Artikel ausdrucken Als PDF ansehen
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