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GIMP - Schritt für Schritt


RawPhoto GIMP Plugin


von Frank Birnstiel, Till Kamppeter und Thorsten Schnebeck


Die digitalen Rohdaten liegen nach dem Aufnehmen und Speichern in einem proprietären Format vor, das nur mit der Software des jeweiligen Herstellers oder einigen speziellen Anwendungen von Drittanbietern verarbeitet werden kann. Auch in eine Bildbearbeitungssoftware wie z.B. GIMP müssen Rohdaten erst einmal importiert werden. Man nennt diesen Vorgang wie zu alten Analogzeiten »entwickeln« und bezeichnet das RAW-Format auch als »digitales Negativ«.

Pawel Jochym hat hierfür mit RawPhoto ein spezielles Plugin als RAW-Datei-Importfilter für GIMP geschrieben, welches das Kommandozeilenprogrammdcraw vonDave Coffin nutzt. Die neue verbesserte Version mit Ansicht des RGB-Histogramms ist am 13.10.2004 erschienen. Am 22.10.2004 ist die Version 1.19 veröffentlicht worden, die nun auch eine Verwendung auf PPC-Systemen ermöglicht.
Zunächst installieren wir dcraw systemweit als User »root« auf dem Rechner:

cd /tmp
wget http://www.cybercom.net/~dcoffin/dcraw/dcraw.c
gcc -o dcraw -O3 dcraw.c -lm -ljpeg && mv -f dcraw /usr/bin/
rm dcraw.c

Nun installieren wir das GIMP-Plugin. In unserem Downloadbereich befindet sich die eingedeutschte Version 1.18. Die Originalversion 1.18 kann man hier herunterladen.
Sie finden nun eine Möglichkeit das Plugin für den lokalen Benutzer zu installieren, weitere Installationsmöglichkeiten finden Sie in der beiliegenden Readme Datei. Bitte achten Sie vor der Installation darauf, dass Sie folgende Pakete auf Ihrem System installiert haben:
Development GIMP & GTK. Sie finden diese unter ähnlicher Bezeichnung (gtk-dev, gimp-devel) für Ihr System.

wget http://ptj.rozeta.com.pl/Soft/rawphoto/rawphoto-200410220928.tgz
tar xvfz rawphoto-200410220928.tgz
cd rawphoto-200410220910/src
gimptool --install rawphoto.c

Das Plugin
Das RGB Histogramm erlaubt nun eine genauere Anpassung der Parameter. Früher stand nur der visuelle Eindruck des Bildes zur Bewertung der Parameter zur Verfügung. Mit dem Histogramm gelingt die Konvertierung deutlich einfacher.
Der Vergleich
Das erste Bild wurde mir RawPhoto entwickelt. Das zweite Bild wurde aus einem in der RAW-Datei eingebetteten JPG extrahiert. Das eingebettete JPG wurde auf beste Qualität eingestellt. Dieses ist identisch mit dem JPG, das die Kamera erzeugt hätte, würde man den RAW-Modus verlassen und nur in JPG Bilder machen.
Es fällt sofort auf, dass die Farben im JPG blass und nicht so kräftig sind. Betrachtet man dann noch die Felsen im Hindergrund, so wirkt auch die Zeichnung nicht so kontrastreich, wie in der RAW-Datei.


Korrektur von Fehlbelichtung
Das erste Bild wurde mit RawPhoto entwickelt. Das zweite Bild wurde wiederum aus einem eingebetteten JPG höchster Qualität extrahiert.
Der Vergleich der Bilder zeigt, dass in einer RAW-Datei mehr Informationen stecken, die hier dazu verwendet wurden, Aufnahmefehler zu korrigieren. So konnte im ersten Bild die Unterbelichtung des Brandenburger Tores korrigiert werden, ohne dass Bilddetails und Zeichnung gelitten haben.
Das liegt daran, dass RAW-Bilder eine höhere Bilddynamik abspeichern als JPG-Dateien. D.h es steht eine höhere Farb- bzw. Helligkeitsauflösung zur Verfügung. Der Bereich zwischen Schwarz und Weiß ist bei den aktuellen Canon-Spiegelreflexkameras im RAW-Format 16fach feiner gestuft als im JPG-Format!
Sollte wie im Beispiel ein Bild der Art belichtet worden sein, dass der Himmel korrekt, aber das Motiv falsch, weil unterbelichtet wiedergegeben wird, so kann man das Bild (in Grenzen) ohne Informationsverlust aufhellen. Die korrekte Anwendung des Gamma-Parameters sorgt dafür, dass auch beim Aufhellen der Himmel nicht zu einer weißen Fläche ausbrennt.
Eine Verbesserung der Bildqualität bei noch kontrastreicheren Bildern hat aber auch bei Verwendung des RAW-Formats seine Grenzen. Hier kann man das DRI-Verfahren anwenden und zwei oder mehrere Bilder aus einem RAW-Bild entwickeln und sie gemäß dieser ausführlichen Anleitung zusammenfügen.


Schritt 1
Wir starten GIMP und öffnen eine RAW Datei.
Wir sehen nun das Bild im Vorschaufenster des RawPhoto-Plugins. Die Verschiebung der Werte im Histogramm zur linken Seite besagt, dass mit diesen Parametern das Bild deutlich unterbelichtet ist. Hier müssen zwingend einige Anpassungen vorgenommen werden.


Schritt 2
Klicken wir nun auf "Autoabgleich" und sehen uns das Resulat an.
Das nun geänderte Histogramm zeigt die relativ ausgeglichene Belichtung des Bildes an. "Überbelichtete" Stellen werden angezeigt (falls aktiviert).
Nun können wir uns an die Feinabstimmung wagen.


Schritt 3
Nach Anpassung der Parameter ist das Bild verbessert worden. Es zeigt keine Über- oder Unterbelichtung und hat einen ausgewogenen Kontrastumfang gemäß Histogramm. Dabei haben die Details genügend Zeichnung.
Folgendes Vorgehen sollte zu einen guten Ergebnis führen:
  1. Durch Klick auf "Reset" und/oder "Autoabgleich" kann man zunächst eine grobe Einstellung erreichen, um dann mit den nachfolgenden Schritten die Feinjustage zu machen.
  2. Mit Farbtemperatur- und Grünregler dafür sorgen dass grau im Bild auch wirklich grau ist (oder das was man mit bloßem Auge gesehen hat). Man hat einen guten Startpunkt, wenn man Kamera-Weißabgleich auf der Registerkarte "Import" aktiviert. Das Histogramm hilft auch dabei. Es besteht aus 3 übereinandergelegten Histogrammen der Grundfarben rot, grün und blau. Farbtemperatur verschiebt das rote und das blaue Histogramm relativ zueinander, der Grünregler verschiebt das grüne Histogramm. Der Grünregler sollte nur benutzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist.
  3. Mit dem Helligkeitsregler dafür sorgen, dass das Histogramm möglichst nah an den rechten Rand kommt, es aber nicht über den rechten Rand hinausschiebt und sich dann ein Peak ganz rechts aufbaut (dann wäre das Bild überbelichtet, auch an den schwarz werdenden Flächen im Bild erkennbar, wenn "Überbelichtung anzeigen" (oben) aktiviert ist). Expose to the right.
  4. Jetzt den Schwarz-Level so einstellen, dass das Histogramm links möglichst wenig vermatscht.
  5. Mit Gamma die allgemeine Helligkeit des Bildes so einstellen, dass alles gut zu erkennen ist. Gamma stellt die Helligkeit der mittleren Farbtöne ein.
  6. Ist in den Schattenbereichen jetzt zu wenig zu erkennen, mit dem Schattenregler justieren.
  7. Eventuell bei den vorhergehenden Reglern noch etwas nachregeln.
  8. OK klicken zur Konvertierung.
  9. Bei Bilderserien, die zusammengefügt werden sollen (DRI, Panorama, ...) Werte notieren und die gleichen Werte auch für die anderen Bilder der Serie benutzen. Hier sieht man, dass das Histogramm und das Vorschaubild bei der RAW-Entwicklung sehr hilfreich sind und das sich mit RAW auch aus sehr schwierigen fotografischen Situationen, wie z. B. das Brandenburger Tor oben, sehr viel herausholen lässt.







Klicken Sie auf das Bild, um dieses in groß zu sehen.

Zusammenfassung:
Ein Histogramm zeigt die Helligkeitsverteilung eines Bildes in Form eines Diagramms von Schwarz bis Weiß (Von links nach rechts). Das RGB Histogramm zeigt, wie die einzelnen Farben gewichtet sind. Je höher die Farbe zeigt desto mehr Bildpunkte dieses Tonwertes kommen im Bild vor. Je mehr rechts die Farbe zeigt desto heller ist dieser Tonwert, umgekehrt ist eine Farbe dunkler, wenn sie links im Histogramm erscheint.

Parameter:

WB (x1000K): Weißabgleich. Einstellung der Farbtemperatur, um Farbstiche auszuregeln.
Hierbei sollte man auf weiße oder schwarze Flächen achten, ob diese einen Farbstich aufweisen und entsprechen korrigieren.
Der Parameter Grün hat ebenfalls Einfluss auf den Weißabgleich.
Grün: Gewichtung des Grünkanals.
Der Parameter hilft beim Entfernen von Farbstichen.
Gamma: die Gammakurve (Farbkurve) ist eine nichtlineare Gewichtung über das gesamte Histogramm.
Der Parameter beeinflusst das Kontrastverhalten des Bildes durch Betonung der Mitten.
Helligkeit: horizontale Verschiebung des Histogramms zwischen Hell und Dunkel
Wenn aktiviert, wird das Überschreiten des maximalen Helligkeitswertes in der Vorschau angezeigt.
Harte Kanten im Histogramm sind zu meiden.
Schwarzebene: Pegel, der Schwarz definiert.
kleine Werte machen aus Schwarz ein Grau
große Werte dämpfen das Histogramm und steigern den Kontrast
Schatten: Kontrolle des Dunkelrauschens
0: Dämpfung und Verlust der Zeichnug
½:neutral
1: Betonung der Schatten, mehr Zeichnung, mehr Rauschen
Sättigung: Veränderung der Farbintensität (HSV Farbraum)
0: 0% Sättigung (schwarz/weiß)
1: neutral
2: 100% Sättigung

Dies zeigt nur eine Möglichkeit, was man mit RawPhoto machen kann. Eine weitere und bei dem Brandenburger Tor Beispiel auch sehr sinnvolle Technik wäre DRI. Dazu mehr im DRI Tutorial.

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Publiziert am: 2004-10-22 (16015 mal gelesen)
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